Teilnehmer klatschen Beifall bei einem Vortrag auf einer Konferenz.

ULD Sommerakademie 2026 – „By Design: Datenschutz und mehr“

Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) in Kiel stellte der Sommerakademie 2026 die Erkenntnis voran: „Die Verarbeitung personenbezogener Daten sollte im Dienste der Menschheit stehen.“ (ErwG 4 S. 1 DSGVO). Wie wichtig dieser Satz in Anbetracht der immer größeren Herausforderungen an den Datenschutz durch die sich ständig weiterentwickelnde Technik ist, machten die im Rahmen der Veranstaltung angebotenen Vorträge und Infobörsen auf eindringliche Weise deutlich.  

Einige der gebotenen Beiträge sollen hier kurz vorgestellt werden und so einen kleinen Einblick in die am 14. September durchgeführte Sommerakademie bieten.

Vorträge bei der Sommerakademie 2026

Die Begrüßung der Teilnehmenden und einen Einstieg in das diesjährige Thema übernahm auf gewohnt herzliche Weise Dr. h. c. Marit Hansen (Landesbeauftragte für Datenschutz von Schleswig-Holstein), sodass sich nicht nur die angereisten Expert*innen, sondern auch die zahlreich anwesenden Interessierten willkommen fühlen durften. Auf eindringliche Weise wurde verdeutlicht, dass „Datenschutz by Design“ sehr viel mehr umfasst als dies bisher im Datenschutz berücksichtigt wurde und dass es durchaus noch hinreichend Potential für Verbesserungen gibt. 

Unter der Moderation von Henry Krasemann (ULD) wurde in den sich anschließenden Vorträgen dieser „rote Faden“ thematisch aufgegriffen. Hierzu stellte Thomas Zerdick (Leiter der Abteilung „Aufsicht und Durchsetzung“ beim Europäischen Datenschutzbeauftragten (EDPS)) zunächst die Entwicklung des Datenschutzes „by Design“ bis zur Regulierung in der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) dar. Diese Ausführungen dienten dem Vortrag von Martin Seeger (Key Account Manager – NetUSE AG) zur Ausgangsfrage und Darstellung der bisher zu erkennenden „Lernfortschritte“, inwieweit sich die „Security by Design“ in den letzten Jahren wirklich verbessert hat. Daniela Will (München Klinik gGmbH) wies in ihrem Beitrag darauf aufbauend sehr eindringlich auf die in der Praxis in Krankenhäusern oftmals auftretenden Probleme hin, wenn die eigentliche Aufgabe des Krankenhauses zur Behandlung der Patient*innen bzw. die Notwendigkeit zur kostensparenden Verwaltung und Nutzung technischer Errungenschaften eine Umsetzung datenschutzrechtlicher Vorgaben erschweren. Prof. Dr. Tobias Keber (Landesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (LfDI) Baden-Württemberg) bot mit seinen Ausführungen einen Blick über die deutschen Grenzen hinaus, indem er anhand entsprechender gerichtlicher Entscheidungen aufzeigte, dass Bußgelder bei der Nichtbeachtung bzw. unzureichender Umsetzung des Art. 25 DSGVO durchaus keine Utopie mehr sind. Die vorangegangenen Vortragsinhalte dienten den Referent*innen im Anschluss zur gemeinsamen Diskussion, im Rahmen dessen sich mit der Frage auseinandergesetzt wurde, inwieweit die Herstellerverantwortung möglicherweise eine Verbesserung für den „Datenschutz by Design“ erreichen kann.  

Nach einer kurzen Kommunikationspause wurde von Jutta Gurkmann (Leiterin Geschäftsbereich Verbraucherpolitik, Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)) aufgezeigt, in welchem Zusammenhang das Daten- und Verbraucherschutzrecht Nutzenden weltweiter Medienangebote Hilfestellung bietet. Deutlich wurde auch hier, dass bereits bei der Produktgestaltung hohes Verbesserungspotential besteht, indem der Grundsatz der Transparenz situationsbezogen konsequent umgesetzt wird. Nur so wäre eine wirkliche Wahlfreiheit der Nutzenden bei den technischen Einstellungen zu erreichen. Hans-Hermann Schild (Vorsitzender Richter am VG i. R. sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Kassel) führte darüber hinaus aus, auf welche Weise der EuGH zur Gestaltung des Datenschutzrechts beiträgt. Prof. Dr. habil. Simone Fischer-Hübner (Professorin für Informatik, Universität Karlstad, Schweden) zeigte anschließend unter Hinzuziehung entsprechender Praxisbeispiele auf, dass die Forderung nach Transparenz so umgesetzt werden muss, dass Nutzende sie auch verstehen und auf die jeweilige Situation bezogen entsprechend anwenden können. Ihren Abschluss fand auch dieser Vortragsblock in einer gemeinsamen Diskussion aller Referent*innen zur Frage, inwieweit die derzeitige Systemgestaltung zur Umsetzung des Datenschutzes ausreicht. Es zeigte sich auch hier, dass die vorhandenen Gestaltungselemente noch lange nicht erschöpfend genutzt werden, um eine echte Transparenz und datenschutzfreundliche Voreinstellungen für Nutzende zu gewährleisten.  

Infobörsen

Die Infobörsen der Sommerakademie 2026 am Nachmittag boten auch in diesem Jahr die Möglichkeit sich mit den verschiedenen Themen vertiefend auseinanderzusetzen. Insgesamt konnten zwei der parallel angebotenen Vorträge nacheinander besucht werden. Alle Beiträge der Infobörsen – sowie die Vorträge vom Vormittag – finden sich auf der Website des ULD als PDF zum Download.

Infobörse 06: Datenschutzzertifizierung in Deutschland und Europa – Erfahrungen aus der Praxis  

Steffen Bothe (Der Landesbeauftragte für Datenschutz der Freien Hansestadt Bremen), Henry Krasemann (ULD) und Sebastian Meissner (datenschutz cert GmbH) boten unter der Moderation von Heiko Behrendt (ULD) Einblicke in die Möglichkeiten und den sich daraus ergebenden Mehrwert für die Verantwortlichen durch eine Datenschutzzertifizierung in Deutschland und Europa. Hierzu wurden zunächst die Begrifflichkeiten und deren Unterschiede einer Akkreditierung und Zertifizierung dargestellt, bevor aus Sicht der Aufsichtsbehörden die Erfahrungen der letzten Jahre aufgezeigt wurden. Danach zeigte der Blick auf die Praxis wie wichtig für Verantwortliche inzwischen der einheitliche Nachweis eingehaltener rechtlicher Vorgaben ist. Vorgestellt wurde im Rahmen dessen u. a. auch die nach Art. 42 DSGVO bestehende Möglichkeit der Zertifizierung, hier am Beispiel des Zertifizierungsstandards „DSGVO – innovative privacy solution“. Die sich anschließende gemeinsame Diskussion machte deutlich, dass der Bedarf verlässlicher Nachweise durch vertrauenswürdige Zertifizierungsstellen in der Praxis vorhanden ist und sich der möglicherweise daraus ergebende Zeit- und Kostenaufwand in Anbetracht der wachsenden Anforderungen an Verantwortliche durchaus rechnet.  

Infobörse 08: AI meets Article 25  

Im Beitrag von Benjamin Walczak und Angelika Martin (beide ULD) sowie Prof. Dr. Jens Lüssem (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel) unter der Moderation von Martin Rost (ULD) wurde auf beeindruckende Weise verdeutlicht, was niedliche Roboter mit Themen des Datenschutzes, Künstlicher Intelligenz (KI / AI) und mit Art. 25 DSGVO (Datenschutz by Design) verbindet. Durchaus mit seinen zehn Jahren schon ein wenig in die Jahre gekommen, zeigte der mitgebrachte Roboter, wie dessen Einsatz in Pflegeeinrichtungen durch gezielte Schnittstellen mit sinnvoll eingesetzter KI zu einem Mehrwert für die zu pflegenden Personen und die Mitarbeitenden einer Einrichtung führen kann. Dabei müssen die datenschutzrechtlichen Fragen nicht ignoriert werden, sondern vielmehr durch angepasste technische und organisatorische Maßnahmen sowie einer frühzeitigen datenschutzkonformen Gestaltung dazu beitragen, dass die Rechte der betroffenen Personen ausreichend geschützt sind. Es zeigte sich wieder einmal auf eindrucksvolle Weise, dass Datenschutz kein Verhinderer sein muss – es braucht nur Menschen, die (trotz Einsatz einer KI) ideenreich und frühzeitig bereits in der Entwicklung nach entsprechenden Lösungen suchen, um den Datenschutz zu gewährleisten.  

Fazit: Ein wichtiges Thema

Die Sommerakademie 2026 des ULD war wieder eine gelungene Veranstaltung, mit einer Vielzahl von Vorträgen und hochkarätigen Referent*innen. Den Teilnehmenden boten die zahlreichen Vorträge wieder einmal einen gut nachvollziehbaren allgemeinen Überblick über ein sehr aktuelles Thema, welches mithilfe der angebotenen Infobörsen nicht nur vertieft werde konnte, sondern gleichzeitig den Teilnehmenden ermöglichte den anwesenden Mitarbeitenden einer Aufsichtsbehörde Fragen zu stellen und diese kompetent und praxisnah beantwortet zu bekommen.  

Es darf sich schon jetzt auf die Sommerakademie 2027 in Kiel gefreut werden – mit sicherlich wieder interessanten Themen!  



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